Einblicke in die RhB
| Historische Wagen bei den Rhätischen Bahn |
| Krokodile der Rhätischen Bahn |
| Streckennetz der Rhätischen Bahn |
Dampfromantik bei der Rhätischen Bahn
G 4/5 Nr. 107 und 108
G 3/4 Nr. 1 "Rhätia"
Einsatz der Dampflokomotiven heute
Revision
der Lok 107
Weiterverwendung der Dampfloks RhB
RhB-Dampfloks auf der Arosalinie
G4/5 Nr. 107 und 108
Das Bündner Dampfzeitalter wurde mit dem Kauf von Dampflokomotiven durch die Vorgängerin der Rhätischen Bahn, die "Schmalspurbahn Landquart - Davos (LD)" Wirklichkeit. Zunächst wurden 5 kleine Dampfloks G 3/4 angeschafft. Am 9. Oktober 1889 fand die Jungfernfahrt zwischen Landquart und Klosters statt. Bald zeigte es sich jedoch, dass für die Traktion der immer schwerer werdenden Züge nach Davos stärkere Lokomotiven nötig waren - es mussten Steigungen bis zu 45 bewältigt werden. Bei der Maschinenfabrik J.A.Maffei in München bestellte die LD zwei grössere Lokomotiven vom Typ Mallet, mit 2 in einem Drehgestell gelagerten und 2 fixen Antriebsachsen, welche von einer Vierzylinder Verbund-Maschine angetrieben wurde.
Selbst auf die Eröffnung der Albulastrecke im Jahre 1903 wurden zunächst weitere Malletlokomotiven G2/3 + 2/2 angeschafft. Probefahrten mit einer von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (SLM) für Abessinien gebauten Schlepptendermaschine auf der Albulastrecke brachten die Erkenntnis, dass dieser Loktyp sich auch für RhB-Bergstrecken eignen würde. Somit wurden von 1904 bis 1915 insgesamt 29 solcher Maschinen als G 4/5 in Betrieb genommen.
Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges war die Kohlezufuhr aus dem Ausland zum Teil ganz eingestellt. Auf Verordnung des Bundes durften zudem wegen der herrschenden Kohlenknappheit an Sonntagen keine Dampfzüge geführt werden. Hinzu musste eine dreifache Preiserhöhung der Kohlen in Kauf genommen werden. Diese Umstände bewogen die RhB, von 1918 bis 1922 alle Linien nach und nach zu elektrifizieren. Besass die RhB 1916 noch 57 Dampflokomotiven und 2 Dampfschneeschleudern, so waren 10 Jahre später bereits 46 Lokomotiven veräussert worden. Die zum Teil noch fast neuen Lokomotiven wurden in aller Herren Länder verkauft. Auf dem ganzen Netz der RhB waren nun die elektrischen Lokomotiven vorherrschend. Trotzdem wurden einige Dampflokomotiven in Reserve gehalten - vorgesehen für Einsätze im Rangierdienst, vor Bauzügen oder im Winter bei allfälligen Stromunterbrüchen.
Die offizielle Dampf-Ära ging mit dem Kauf von Diesellokomotiven Ende der siebziger Jahre endgültig zu Ende. Bis auf die drei verbliebenen Dampflokomotiven G 3/4 1, G 4/5 107 und 108, sowie der Dampfschneeschleuder Xrotd 6/6 9213 wurden sämtliche Dampfveteranen verkauft oder verschrottet.

Technische Daten Lok 107/108
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Heissdampf-Zwillingslok Typ 1D
("Consolidation"), RhB G 4/5 Überhitzer- System Schmidt Kolbenschieber mit innerer Einströmung Walschaert-Steuerung mit Zusatzbewegung Repressionsbremse, Vakuumbremse, Handbremse (auf Tender wirkend) Führerstands- und Stirnbeleuchtung 18 V = (Beleuchtungsgenerator und 2 Batterien im Tender) |
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Zylinderzahl |
2 |
Leergewicht Lok |
42,9 t |
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Zylinder-Durchmesser |
440 mm |
voll |
47,2 t |
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Hub |
580 mm |
Dienstgewicht |
55 t |
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direkte Heizfläche |
8,4 m2 |
Bremsgewicht |
35t |
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Überhitzer |
27,5 m2 |
Adhäsionsgewicht |
41,6 t |
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Totale Heizfläche |
133 m2 |
Lok mit Tender voll ausgerüstet |
67,6 t |
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Rostfläche |
2,1 m2 |
Leergewicht Tender |
8,05 t |
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max. Kesseldruck |
12 bar |
Tender voll |
20,4 t |
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Rauchrohre |
18 |
Wasser |
9,85 m3 |
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Siedrohre |
112 |
Kohle |
ca 2,5 t |
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Kesselinhalt |
4,18 m3 |
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Kessellänge |
7,35 m |
Anhängelast gem. Anhang II FDR resp. gemäss Anweisungen Zf | |||
Kesseldurchmesser |
1,4 m |
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Länge der Rohre |
4,00 m |
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Grösste feste Breite |
2,6 m |
Lok Nr 107 SLM 1709 |
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Grösste feste Höhe |
3,7 m |
Inbetriebnahme: 16.5.1906 |
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Radstand Lok |
6,1 m |
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Radstand Tender |
2,48 m |
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Radstand Total |
11,32 m |
Lok Nr. 108 SLM Nr. 1710 |
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Triebrad-Durchmesser |
1050 mm |
Inbetriebnahme: 7.6.1906 |
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Laufrad-Durchmesser |
700 mm |
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Tenderrad-Durchmesser |
740 mm |
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Länge über Puffer (mit Tender) |
13,97 m |
Beschaffungspreis 1906: |
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Leistung bei 30 km/h (ca 800 PS) |
600 kW |
SFr 77500.-- pro Lok |
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Zugkraft bei 30 km/h (ca 7t) |
ca 70kN |
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Vmax Vorwärts |
45 km/h |
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Vmax Rückwärts |
30 km/h |
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Vmax geschleppt |
40 km/h |
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Lok Nr. 1 "Rhätia"
Am 9. Oktober 1889 hat die Landquart-Davos-Bahn (LD), Vorgängerin der RhB, den Betrieb auf der Strecke Landquart Klosters und am 21. Juli 1890 bis Davos Platz aufgenommen. Der Bahngesellschaft standen damals 5 Dampflokomotiven G 3/4 1 5 mit der Achsfolge 1'C Typ "Mogul" zur Verfügung. Die 5 Lokomotiven hatten die Namen "Rhätia", "Prättigau", "Davos", "Flüela" und "Engadin". Der damalige Preis pro Lokomotive betrug Fr. 54'211.--.
Die 5 Lokomotiven wurden in den Jahren 1917 1928 bei der RhB ausrangiert. Nr. 3 5 gelangten nach Luxemburg und wurden 1954 abgebrochen, Nr. 2 wurde schon 1925 abgebrochen und Nr. 1 im Jahr 1928 ausrangiert. Sie blieb einstweilen bei der RhB, wurde aber 1947 von der RhB für ein "Schweizerisches Verkehrsmuseum" zur Verfügung gestellt. Die Gründung des "Verkehrsmuseums" (späteres Verkehrshaus der Schweiz in Luzern) liess auf sich warten. Nach der Eröffnung des Verkehrshauses in Luzern war einstweilen kein Platz für die RhB-Dampflokomotive Nr. 1 vorhanden. Sie fristete deshalb ein verborgenes Dasein unter Obhut der SBB als Teil des Sammelgutes des Verkehrshauses in verschiedenen Remisen in der Schweiz, während längerer Zeit auch in Vallorbe. 1970 gelangte die RhB-Lokomotive Nr. 1 als Leihgabe an die Museumsbahn Blonay Chamby (B-C). Dort wurde die Maschine wieder in fahrtüchtigen Zustand versetzt, sehr gut gepflegt und öfters eingesetzt. Im Hinblick auf die Hundertjahrfeier der RhB hat die Verwalterin des Austellungsgutes, die SBB auf Veranlassung der RhB den Leihvertrag mit der B-C auf 1988 gekündigt. Offiziell bleiben die Bahnen Eigentümer der Ausstellungsfahrzeuge des Verkehrshauses, der ausgestellten und der nicht ausgestellten. Die RhB war also immer noch Eigentümerin der Lokomotive "Rhätia". Am 22. November 1988 ist die Lok nr.1 nach 41 Jahren Abwesenheit zur RhB zurückgekehrt. Sie wurde im Winter 1988/89 in der RhB-Hauptwerkstätte in Landquart einer Revision unterzogen und einer "Kosmetik-Prozedur" unterzogen. Die hundertjährige Lokomotive war nun wieder einsatzfähig und für die Jubiläumsaktivitäten bereit, wobei altersbedingt eher "sanfte Betriebseinsätze" vorgesehen wurden.
Seit dieser Zeit zieht die Lokomotive "Rhätia" auf den flacheren Strecken des Stammnetzes 2-achsige Wagen, erfreut viele Hochzeitsgesellschaften und wird auch hie und da vor einen Extrazug des Vereins "Dampffreunde der Rhätischen Bahn" gespannt.
Technische Daten Lok 1
| Typ: | G 3/4, Achsfolge 1'C, Typ "Mogul", Tenderlokomotive |
| Erbauer: | Schweiz. Lokomotiv- und Masachinenfabrik Winterthur |
| Inbetriebnahme: | 8.7.1889 als SLM-Fabriknummer 577 |
| Ausrangierung: | 1928 |
| Länge über Puffer: | 7,945 m |
| Totaler Achsstand: | 4,5 m |
| Triebraddurchmesser (neu): | 1050 mm |
| Laufraddurchmesser (neu): | 700 mm |
| Art der Maschine: | Nassdampf-Zwillingsmaschine |
| Steuerungsart: | System Walschaerts |
| Leistung: | 250 PS bei 20 km/h (184 kW) |
| Zugkraft: | 330 kg bei 20 km/h |
| Bremsen: | automatische Hardy-Vakuumsbremse, Handspindelbremse |
| Höchstgeschwindigkeit: | 45 km/h |
| Anhängelast: | 45 t (ehemals!) auf 45 Steigung (Klosters-Davos) |
| Leergewicht: | 23,5 t |
| Dienstgewicht: | 30,2 t |
| Reibungsgewicht: | 25,7 t |
| Zylinderdurchmesser: | 340 mm |
| Kolbenhub: | 500 mm |
| Rostfläche: | 0,9 m2 |
| Heizfläche: | direkt 4,8 m2, total 62 m2 |
| Siedrohre: | 126 Stück, Länge 3205 mm, Durchmesser 41/45 mm |
| Dampfdruck: | 12 atü (bar) |
| Anheizzeit: | 3,5 4 Stunden |
| Betriebsvorräte: | Wasser 2,6 m3, Kohle 950 kg |
| Beschaffungspreis: | Fr. 54'211.-- |
| Höhe des Führerhauses:: | 1.90 m |
| Beleuchtung: | 24 V= direkt ab 24V-Generator, keine Batterien |
Einsatz der Dampflokomotiven heute
Die unbeschreibliche Eisenbahn-Romantik soll in Graubünden weiterleben. Die verbliebenen Dampfveteranen lassen sich weiterhin unter Druck setzen, wenn es darum geht, historische Zugskompositionen zu ziehen mit urtümlicher Kraft, durch ursprüngliche Landschaften. Jedes Jahr werden durch Graubünden Tours, dem Reiseveranstalter der Rhätischen Bahn, verschiedene ein- oder mehrtägigen Reisen für begeisterte Bahnfreunde organisiert. Beliebt sind unter anderem Hochzeitsfahrten mit der kleinen Lok G 3/4 1 Rätia, welche für das Jubiläum "100 Jahre RhB" wieder in ihre Heimat kam, aus dem Jahre 1889. Diese Lok wird vor allem auf den flachen Strecken und mit 2 3 kleinen Wagen eingesetzt, da sie nicht so viel Kraft aufbringen kann.
Beliebt sind Publikumsfahrten mit den grossen Dampfmaschinen G 4/5 107 und 108. Sie sind in der Lage, einen längeren Zug zu ziehen, Bei Bergstrecken (zum Beispiel Küblis Klosters Davos) und langen Zügen brauchen sie oft Verstärkung. Die Verstärkungslokomotive kann elektrisch sein, oft wird die legendäre Krokodil-Lokomotive Ce 6/6 dafür eingesetzt. Sehr beliebt sind jeweils die Fahrten, bei welchen beide Dampfloks (107 und 108) zusammen die Bergstrecke erklimmen.
Im Winter wird hie und da im Engadin oder auf der Berninastrecke auch die oben erwähnte Dampfschneeschleuder Xrot 6/6 9213 wieder unter Dampf gesetzt. Mächtig wirft sie den Schnee vom Gleis weg, ein Schauspiel, welches viele Fans begeistert. Auch diese Sonderfahrten werden durch die Rhätische Bahn organisiert.
Dampflok 107 wieder in Betrieb !
| Bericht | Fotos |
Mittwoch, 11.April 2001 war es so weit: Die Dampflok 107 ging nach einer langen Zeit der Revision auf Probefahrt ! Obwohl das Wetter schlecht war, schlugen die Herzen derjenigen, die diese Fahrt beobachteten höher.




Die RhB, als Erlebnisbahn, hat “JA” zum Weiterbestand des Dampfbetriebes gesagt. Für die Revision der Lok 107 wurden über Fr. 100'000.-- aufgewendet. Nach erfolgreicher Lastprobefahrt vom 11.04.2001 von Landquart nach Klosters und zurück steht die Lok 107 ab Dampfsaison 2001 wieder in alter Frische zur Verfügung.
Im Jahre 1974 wurde der Kessel letztmals
in Knittelfeld, Oesterreich umfassend revidiert (Ersatz der Siede- und
Rauchrohre, neue Feuerbüchs-Seitenwände und -Decke, neue Deckenanker und
Stehbolzen, diverse Reparaturarbeiten am Lang- und Stehkessel).
Im Februar 1983 mussten die Rauchrohre und im Winter 1990/91 die Siederohre,
durch die Firma Gaillard Yverdon, ersetzt werden.
Im Frühling 1998 hat die Lok 107 in Zürich eine Revision R1 am Laufwerk sowie
an der inneren und äusseren Steuerung erhalten.
Nachdem im Sommer 1999 an der Feuerbüchsrohrwand
diverse Siederohr-Bördeli abgezehrt und undicht geworden waren sowie auch mehr
als die drei zulässigen Stehbolzen vernagelt werden mussten, drängte sich eine
Revision und Reparatur des Kessels auf. (Feststellung des Kesselinspektors anlässlich
der inneren Prüfung vom 10.06.1999).
Wegen der nach wie vor aktuellen Brandthematik war anlässlich dieser
Kesselrevision ein allfälliger Umbau der Lok auf Oelfeuerung nochmals abzuklären.
Im Herbst 1999 wurden Offertanfragen sowohl für die Revision / Reparatur, als
auch für die Variante neuer Kessel mit Stahlfeuerbüchse für Kohlefeuerung,
resp. für Oelfeuerung, an verschiedene Firmen gerichtet.
Nach diversen Abklärungen wurde dann aus finanziellen Gründen sowie auch
mangels ölbefeuerten Referenzlokomotiven unserer Grösse entschieden, sowohl
auf eine Oelfeuerung als auch auf einen neuen kohlebefeuerten Kessel mit
Stahlfeuerbüchse zu verzichten, d.h. nur eine Reparatur und Neuberohrung durch
die Firma John Gaillard Yverdon ausführen zu lassen. Da Herr Gaillard
inzwischen altershalber “kürzer zu treten” begonnen hatte, wurden die
Arbeiten an der Lok 107 durch seinen “Nachfolger”, Herrn Demian Soder,
Junior der Firma H. Soder AG, Wicklerei und Elektromechanik, Zeiningen (AG),
ausgeführt.
Die ganze Reparatur / Revision hat einiges länger als geplant gedauert. Nach den Verspätungen in der Abklärungsphase verzögerte sich auch der Arbeitsbeginn durch Gaillard / Soder um mehr als 2 Monate, da die Revisionsarbeiten an der Dampflok der Bodensee-Toggenburg-Bahn wesentlich mehr Zeit als geplant beanspruchte.
Da
die Lok 107 des Rohr-Rinnens wegen nicht mehr eingesetzt werden konnte, wurde
Mitte Juni 2000 mit den Ausrohrungsarbeiten begonnen. Nach dem Ausrohren zeigte
sich dann, dass die Deckenanker der Feuerbüchse so stark abgezehrt waren, dass
sich auch hier ein Ersatz aufdrängte. Aus Kostengründen wurden diese 112 neuen
Deckenanker durch die RhB-Lehrwerkstätte Landquart angefertigt, was
entsprechend mehr Zeit in Anspruch genommen hat. Zudem mussten sämtliche
Deckenanker nach der Fabrikation zuerst geprüft und durch den
Kesselinspektor gestempelt werden, bevor diese durch einen zertifizierten
Schweisser eingeschweisst werden konnten.
Im Dezember 2000 konnten dann die Deckenanker eingebaut und im Januar 2001 die
neuen Rauch- und Siederohre eingesalzt werden. Nach erfolgreicher
Kesseldruckprobe am 31.1.01 (mit 15,6 bar) wurde im Februar mit der
Wiedermontage durch BW Landquart begonnen (Stehkessel einpacken,
Ueberhitzerrohre einbauen, Armaturen und Führerhaus montieren,
etc.). Die Arbeiten konnten anfangs April 2001erfolgreich und noch rechtzeitig
auf die Dampfsaison 2001 abgeschlossen werden konnten. Dafür sei allen
Beteiligten bestens gedankt.
2. Ausgeführte Reparatur- und
Revisionsarbeiten an der Dampflok G 4/5 107
Feuerbüchse:
Total 20 Kupfer-Stehbolzen ersetzt
Alle 112 Deckenanker ersetzt, Deckenanker im Stehkessel oben eingeschweisst, in
der Feuerbüchsdecke eingeschraubt und mit individuell eingepassten
Unterlagsscheiben und Muttern gesichert (wie Lok 108).
An allen 6 Deckenbarren “Auflage-Nase” aufgedoppelt und neu eingepasst,
sowie Gelenkpfanne neu ausgefräst.
Feuerbüchsrohrwand:
Ersatz aller 18 Rauchrohre (vorgängig wurden 8..10-mm dicke Kupfer-Ringe
eingewalzt, d.h. die bis auf einen Durchmesser von 120 mm ausgewalzten Bohrungen
in der Feuerbüchsrohrwand wieder auf den Nenndurchmesser von 100 mm gebracht.
Festsitz der Cu-Ringe in der Rohrwand durch 3 eingedrehte Nuten in der Bohrung,
Festsitz der Rohre im Cu-Ring durch 3 eingedrehte Nuten in den Rauchrohrstutzen.
Ersatz aller 112 Siederohre, vorgängig wurden Cu-Ringe verschiedener Dicke
eingewalzt, d.h. die bis auf über 50 mm ausgewalzten Bohrungen wieder auf den
Nenndurchmesser von 42,5...43,5 mm gebracht.
Aschenkasten:
Bodenpartie inkl. Mannloch und -Deckel
ersetzt (Mannloch neu rechteckig statt oval), vordere Luftklappe neu
angefertigt, sämtliche Roststäbe ersetzt.
Kessel:
Waschbolzengewinde: Abgezehrte Gewindepartien
in der Rauchkammer-Rohrwand aufgetragen und nachgeschnitten. Alle übrigen
Gewinde nachgeschnitten.
An allen Waschbolzen Gewinde wieder sauber konisch nachgeschnitten.
Stehkessel gereinigt, grundiert und gestrichen.
Stehkessel inkl. Stirnseite mit einseitig Alu-beschichteter Flumrocmatte 2 / 4
cm neu isoliert.
Die entfernten Blauasbest-Kissen wurden fachgerecht entsorgt.
Schild “Feuerbüchsdecke” neu eingemessen und korrigiert (17 mm höher
gesetzt).
Verschalungsblech Stehkessel vorn: 2 abschraubbare Montagedeckel ausgeschnitten.
Stirnblech im Führerstand sowie ganze Langkesselverschalung und Trottoir neu
gestrichen.
Saugzuganlage:
Komplett neue Saugzuganlage System Kylchap
inklusive. Hilfsbläser in Chromstahl angefertigt und eingebaut
Diverses:
Undichte Dampfheizleitung und -Kupplung
zwischen Lok und Tender durch eine Schlauchverbindung ersetzt.
Vakuum-Ejektor (grosser Luftsauger): Ventilplatte zu Dampfregulierung
feingedreht und neu verpackt.
Dampfentnahmeventile zu den Injektoren sowie diverse Armaturen neu verpackt.
Undichte Verschraubung zum Pfeifen-Absperrhahn verlötet.
Schnellbremsventil (Tender) revidiert.
Reinigung des Rahmens, der Radsätze sowie der Trieb- / Kuppelstangen mit
Oel-Neufüllung der Achslager-Unterteile.
3. Allgemeine Bemerkungen
3.1 Anheizen (neue Methode)
Beim ersten Anheizen nach der Revision
wurde die ersten 2 Stunden nur mit Holz gefeuert, mit dem Ziel, Feuerbüchse und
Rohre langsam und schonend zu erwärmen. Erst anschliessend wurde, bei immer
noch nicht ganz bedecktem Rost, etwas Kohle aufgeworfen, langsam weitergeheizt
und das Feuer kontinuierlich über den ganzen Rost aufgebaut. Nach ca. 3
Stunden: Beginn Druckanstieg, anschliessend Feueraufbau wie bisher. Nach 7
Stunden, d.h. ca 1 Stunden später als bisher, war der Arbeitsdruck von 12 bar
erreicht. Wichtig ist ein langsamer und möglichst konstanter Temperaturanstieg
während den ersten 2 bis 3 Stunden.
Während des ersten Anheizens am 09.04.01 sowie auch bei den zweimaligen
Reservefeuern über Nacht blieben Feuerbüchs- und Rauchkammer-Rohrwand
einwandfrei dicht. Daher wurde beschlossen,
dass, nachdem die Lok 108 im Engadin bereits in gleicher Weise angeheizt wird,
auch die Lok 107 ab sofort nach dieser neuen Methode anzuheizen ist.
3.2 Last-Probefahrt
Die Lastprobefahrt Landquart - Klosters
vom 11.04.2001 (siehe Fotos) mit 50 t Anhängelast verlief erfolgreich. Die
Feuerbüchs- und Rauchkammer-Rohrwand blieb sowohl während der Fahrt, als auch
nach dem Abkalten einwandfrei dicht.
Quelle:
Walter Frech, BW RhB Landquart
Landquart, 23.04.2001
Weiterverwendung der Dampflokomotiven der RhB
| Lok Nr | Jahr | Weiterverwendung |
| 1 | 1947 | für Verkehrshaus reserviert |
| 1970 | Leihgabe an Museumsbahn Blonay-Chamby | |
| 1989 | Rückkehr zu RhB, jetzt in Betrieb | |
| 2 | 1925 | Abbruch |
| 3 | 1918 | Chemins de fer Vicinaux (Luxembourg) Nr. 3 |
| 1934 | Prinz Heinrich Eisenbahn (Luxemburg) Nr 53 | |
| 1943 | Deutsche Reichsbahn Nr 99.271 | |
| 1945 | Chemin de fer Luxembourgeois Nr 351 | |
| 1954 | ausrangiert | |
| 4 | 1918 | Chemins de fer Vicinaux (Luxembourg) Nr. 6 |
| 1934 | Prinz Heinrich Eisenbahn (Luxemburg) Nr. 55 | |
| 1943 | Deutsche Reichsbahn Nr 99.272 | |
| 1945 | Cheminde fer Luxembourgeois Nr 352 | |
| 1953 | ausrangiert | |
| 5 | 1917 | Chemins de fer Vicinaux (Luxembourg) Nr. 5 |
| 1934 | Prinz Heinrich Eisenbahn (Luxemburg) Nr 54 | |
| 1943 | Deutsche Reichsbahn Nr 99.273 | |
| 1945 | Cheminde fer Luxembourgeois Nr 353 | |
| 1954 | ausrangiert | |
| 6 | 1923 | Hafenbahn Recife (Brasilien) APR Nr. 6 |
| 7 | 1923 | Ferrovie regionali ticinesi |
| 1943 | ausrangiert | |
| 8 | 1923 | Ferrovie regionali ticinesi |
| 1943 | ausrangiert | |
| 9 | 1926 | SBB G 3/4 217 |
| 1941 | ausrangiert | |
| 10 | 1926 | SBB G 3/4 218 |
| 1942 | ausrangiert | |
| 11 | 1977 | Modellbaufreunde Eiger Zeilütschinen |
| Einsatz auf BOB | ||
| 2000 | Kauf durch Club 1889 Samedan | |
| 12 | 1923 | Stahlwerk Sagunto, Spanien |
| 1970 | ausrangiert | |
| 13 | 1950 | Abbruch |
| 14 | 1972 | Dampflokverein Appenzell |
| Einsatz auf Apenzellerbahnen | ||
| 15 | 1924 | SBB G 3/4 215 |
| 1942 | ausrangiert | |
| 16 | 1924 | SBB G 3/4 216 |
| 1942 | ausrangiert | |
| 21 | 1920 | Rede sul Mineira (Brasilien) |
| 1933 | Rede Mineira de Viação, mit Schlepptender | |
| ausgerüstet, | ||
| 1939 | nach, Abbruch | |
| 22 | 1920 | Rede sul Mineira (Brasilien) |
| 1933 | Rede Mineira de Viação | |
| 1935 | mit Schlepptender ausgerüstet | |
| 1939 | nach, Abbruch | |
| 23 | 1926 | Kraftwerke Oberhasli |
| 1940 | ausrangiert | |
| 24 | 1926 | Kraftwerke Oberhasli |
| 1940 | ausrangiert | |
| 25 | 1921 | Madagaskar TA 51 |
| 1930 | ausrangiert | |
| 26 | 1921 | Yverdon-Ste-Croix-Bahn |
| 1947 | Union Espanola de Explosivos, Sevilla E | |
| 1952 | Estado für Manresa-Guardiola E Nr 601 | |
| 1958 | Estado für Peñarroja - Puertollano E Nr. 601 | |
| 1969 | Abbruch | |
| 27 | 1921 | Yverdon-Ste-Croix-Bahn |
| 1946 | ausrangiert | |
| 28 | 1920 | Yverdon-Ste-Croix-Bahn |
| 1947 | Union Espanola de Explosivos, Sevilla E | |
| 1952 | Estado für Manresa-Guardiola E Nr 602 | |
| 1958 | Estado für Penarroya-Puertollano E Nr 602 | |
| 1960 | Abbruch | |
| 29 | 1921 | Madagaskar TA 53 (TA= Antananarivo - Antsirabé) |
| 1951 | CFM 40.153 | |
| 1956 | CFM 40.822 | |
| 1959 | ausrangiert (ca.) | |
| 30 | 1921 | Madagaskar TA 52 (TA= Antananarivo - Antsirabé) |
| 1951 | CFM 40.152 | |
| 1956 | CFM 40.821 | |
| 1959 | ausrangiert (ca.) | |
| 31 | 1921 | Madagaskar TA 54 (TA= Antananarivo - Antsirabé) |
| 1951 | CFM 40.154 | |
| 1956 | CFM 40.823 | |
| 1951 | ausrangiert | |
| 32 | 1921 | Madagaskar TA 55 (TA= Antananarivo - Antsirabé) |
| 1951 | CFM 40.155 | |
| 1956 | CFM 40.824 | |
| 1959 | ausrangiert (ca.) | |
| 101 | 1924 | Estrada de Ferro Maricá (Brasilien) |
| 1943 | E.F. Central do Brasil (EFCB) 1230 | |
| 1963 | E.F. Leopoldina anschl. Abbruch | |
| 102 | 1949 | Ferrocarril de la Robla E |
| 1970 | ausrangiert | |
| 103 | 1924 | Estrada de Ferro Maricá (Brasilien) |
| 1943 | E.F. Central do Brasil (EFCB) 1231 | |
| 1963 | E.F. Leopoldina anschl. Abbruch | |
| 104 | 1950 | Ferrocarril de la Robla E |
| 1970 | ausrangiert | |
| 105 | 1951 | Ferrocarril de la Robla E |
| 1970 | ausrangiert | |
| 106 | 1952 | Ferrocarril de la Robla E |
| 1970 | ausrangiert | |
| 107 | Im Einsatz auf der RhB | |
| 108 | Im Einsatz auf der RhB | |
| 109 | 1920 | Kohlengrubebahn Hulleras de Sabero E |
| 1923 | Ferrocarril de la Robla E | |
| 1970 | ausrangiert | |
| 110 | 1920 | Kohlengrubebahn Hulleras de Sabero E |
| 1924 | Ferrocarril de la Robla E | |
| 1970 | ausrangiert | |
| 111 | 1920 | Kohlengrubebahn Hulleras de Sabero E |
| 1926 | Ferrocarril de la Robla E | |
| 1970 | ausrangiert | |
| 112 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 343 |
| 1956 | ausrangiert | |
| 113 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 344 |
| 1954 | ausrangiert | |
| 114 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 345 |
| 1950 | ausrangiert | |
| 115 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 346 |
| 1950 | ausrangiert | |
| 116 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 347 |
| 1953 | ausrangiert | |
| 117 | 1927 | Royal State Railways Thailand Nr 348 |
| 1950 | ausrangiert | |
| 118 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 340 |
| 1965 | Denkmal in Chiang Mai (Thailand) | |
| 119 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 342 |
| 1954 | ausrangiert | |
| 120 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 341 |
| 1950 | ausrangiert | |
| 121 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 339 |
| 1959 | ausrangiert | |
| 122 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 338 |
| 1965 | ausrangiert | |
| 123 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 336 |
| 1966 | für Thailändisches Eisenbahnmuseum reserviert | |
| 124 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 337 |
| 1964 | ausrangiert | |
| 125 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 335 |
| 1953 | ausrangiert | |
| 126 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 331 |
| 1956 | ausrangiert | |
| 127 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 332 |
| 1961 | ausrangiert | |
| 128 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 333 |
| 1958 | ausrangiert | |
| 129 | 1926 | Royal State Railways Thailand Nr 334 |
| 1950 | ausrangiert |
Quelle: Die Lokomotiven und Triebwagen der RhB (Theo Stolz, Andreas Hänecke, 1973), aktualisiert durch Gian Brüngger, Chur
RhB-Dampfloks auf der Arosalinie
Die Eröffnung der Chur-Arosa-Bahn war auf November 1914 geplant. Die Kupferlieferung für die Fahrleitung aber lag, aus Amerika kommend, in Le Havre und schien von dort nicht freibekommen zu sein. Später traf das Kupfer ein. Am 17. Oktober 1914 fuhr der Verwaltungsrat erstmals, aber noch per Dampf, nach Arosa. Gezogen wurde der Zug durch die Lok G 3/3 Nr.2 (früher HG 3/3 der BOB). Die Lok G 3/3 4 zog ebenfalls für kurze Zeit provisorisch Güter- und Personenzüge auf der Chur-Arosa-Strecke.
Am 19. November floss der erste Strom aus dem Lüener Werk durch die Fahrleitung.

Dampflok in St. Peter, November 1914
Bild: Ruedi Homberger, Arosa