Verein Dampffreunde der Rhätischen Bahn
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Eine Dampffahrt aus Sicht der Helfer

Werner sass kürzlich in der Kaffeepause, als ihm seine Arbeitskollegin Fabienne von ihrem Ausflug am letzten Samstag erzählte. Sie sprach von einer Dampffahrt, viel Rauch, alten Wagen und vielen Eindrücken. Werner beschloss auch so eine Dampffahrt zu machen und rief bei der Geschäftsstelle im Bahnhof Bonaduz an. Dort meldete er sich für die kommende Dampffahrt in die Surselva an. Er komme mit seiner Familie und möchte gerne die Vorzüge der ersten Klasse buchen. Am Tag der Fahrt schlenderte er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Landquart auf den Bahnhof. Kaum losgefahren, hiess ihn und seine Familie, eine Helferin des Vereins Dampffreunde der RhB mit einem Cüpli willkommen. Eine wunderschöne Fahrt mit Kaffee und Kuchen, gefolgt von einem organisierten Mittagessen in Disentis. Noch schnell geholfen die Dampflok für die Rückfahrt auf der Drehscheibe umzudrehen und schon geht’s wieder zurück in Richtung Chur. Während der Fahrt erschien immer wieder jemand, der interessante Details über die Strecke erzählte. Einmal konnte Werner mit seiner Familie sogar mitten auf der Strecke aus dem Zug aussteigen und den ganzen Dampfzug von aussen fotografieren oder filmen wie er vorbei fuhr. Am Zielbahnhof angekommen wird die Reise von Werners Familie mit einer persönlichen Verabschiedung und einem Dankeschön vom Zugbegleiter beendet.

In diesem Artikel möchte ich gerne aufzeigen, wie es der Verein Dampffreunde der RhB schafft, eine solche Reise durchzuführen und welche Arbeit überhaupt dahinter steckt. (Es gelten die Helferbezeichnungen selbstverständlich immer für beide Geschlechter)

Monate vor der Fahrt

Gespräche und Verhandlungen mit der Rhätischen Bahn, welche das Rollmaterial organisiert, einen Fahrplan generiert und das Zugspersonal, bestehend aus zwei Dampflokführern, einem Zugbegleiter, einem Lokführer für den Löschzug sowie einer Hilfsperson, welche den Löschwagen bedient, einteilt.
Die Fahrt wird auf diversen Internetseiten ausgeschrieben und angepriesen.

Wochen vor der Fahrt

Der Vorstand verschickt Anfragen an mögliche Helfer, welche auf der Fahrt mithelfen möchten. Er macht danach die Einteilung, welcher Helfer auf welchem Posten seine Arbeit macht. Das Team eines Dampfzuges mit 200 Reisegästen besteht nebst dem Zugspersonal aus einem Reiseleiter, einem Fahrkartenverkäufer und dessen Gehilfen, einer Hostess in der ersten Klasse, einer Hostess im Filisurerstübli, einem Barkeeper im Rhätiastübli, einem Souvenirverkäufer und mind. zwei Personen, welche ausschliesslich für die Sicherheit im und neben dem Zug verantwortlich sind. Nebst diesen immer besetzten Plätzen gibt es auch den Job als Fotograf und Berichtschreiber, Essensbonverkäufer, Samichlaus, Schmuzli, Märlifee, Zugsmusikant u.v.m. So ist auf den offiziellen Dampffahrten meistens ein Team von zehn Personen im Einsatz.
Nebst dieser Planung nehmen die Mitarbeiterinnen von der Geschäftsstelle Bonaduz die Reservationsanfragen entgegen, planen die Platzeinteilung im Zug und halten den Vereinspräsidenten permanent über Anzahl und Wünsche der Gäste auf dem Laufenden.

Tage vor der Fahrt

Die Cateringverantwortliche im Verein macht den Einkauf für die bevorstehende Fahrt. Nach Erfahrungswerten und der Anzahl der Passagiere schätzt sie die Menge an Getränken und Esswaren, welche sie besorgen muss. Parallel dazu bereitet der Souvenirverantwortliche die Souvenirartikel, welche er auf dem Zug zu verkaufen gedenkt, vor. Der Reiseleiter schreibt einen Begleitzettel mit diversen Informationen über die Fahrt.

Die in Kisten vorbereiteten Souvenirartikel

Stunden vor der Fahrt

Die Kuchenbäckerinnen backen verschiedene Kuchen, welche auf der Fahrt im Rhätiastübli, im Filisurerstübli und in der ersten Klasse verkauft werden. Die Sandwiches werden belegt, das Getränk wird kühl gestellt und die Gipfeli beim Bäcker abgeholt.

Die Dampffahrt

06:00 Uhr

Der Wecker klingelt. Die meisten Helfer stehen jetzt auf und bereiten sich für die Dampffahrt vor. Jene Helfer, welche von weiter her kommen wird der Wecker wohl noch früher klingeln.

06:45 Uhr

Die ersten Helfer treffen sich im Vereinsdepot in Landquart. Der Kaffee muss gekocht werden, die für 200 Personen kühl gestellten Getränke müssen vom Kühlschrank in die Kühlboxen umgeladen werden.

Helfer beim Kaffee kochen am Morgen früh

07:15 Uhr

Nun treffen sich alle Helfer. Der Tag wird noch kurz besprochen, Unklarheiten werden beseitigt und das komplette Material (Essen, Getränke, Souvenirs) wird beim Gleis 5 bereitgestellt.

Vorbereitetes Material am Gleis 5 in Landquart

07:50 Uhr

Die Rangierarbeiter der RhB fahren den Zug ins Gleis 5. Die Schiebetüre des Rhätiastüblis hält genau beim bereit gestellten Material. Nun haben die Helfer genau fünf Minuten Zeit um die Ware in den Zug einzuladen.

Helfer beim Beladen des Zuges

07:55 Uhr

Das Rangierteam stellt den Zug nun weit hinten auf ein Abstellgleis und das Team beginnt mit der Vorbereitung des Zuges. Die reservierten Plätze werden angeschrieben, die Bar wird eingeräumt, der Souvenirstand wird vorbereitet und die Infozettel werden verteilt.        

09:00 Uhr

Die Dampflokomotive wird von den Lokführern an den Zug gehängt. Der Reiseleiter, der Zugbegleiter der RhB, die Sicherheitsbeauftragten sowie der Fahrkartenverkäufer machen sich mit gut sichtbaren Leuchtwesten auf dem Abfahrtsperron bereit für den Empfang der Fahrgäste. Probleme wie: Wo soll ich meinen Kinderwagen hinstellen, meine Grossmutter braucht Hilfe zum Einsteigen bei den hohen Stufen, ich möchte gerne vorne im Zug sitzen habe aber eine Reservation ganz hinten, ich habe nur für zwei Personen reserviert und sind jetzt doch zu viert, ich habe noch keine Fahrkarte und möchte trotzdem mit, werden schnell und kompetent gelöst.

Ratschläge und Begrüssung für die Fahrgäste

09:25

Pfiiiiiiiiiieeet! Der Zugbegleiter pfeift und die Dampflokomotive dampft und schnaubt davon. Während der Fahrt gilt die Aufmerksamkeit der Helfer ausschliesslich den Fahrgästen. Sie machen fast alles um deren Wünsche zu erfüllen. Wer sich keine Gedanken um das Mittagessen machen möchte, hat die Möglichkeit einen Bon im Zug zu kaufen, welcher ihm eine Platzreservation in einem guten Restaurant in der Nähe des Bahnhofes verspricht. Während der Fahrt wird ein bis zweimal auf der Strecke angehalten um den Zug auch von aussen fotografieren zu können. Da sich die Fahrgäste mitten auf den Geleisen und in steilem Gelände bewegen, werden sie permanent von den Sicherheitsbeauftragten im Auge behalten und im Notfall auf Gefahren aufmerksam gemacht. Der Reiseleiter und der Fahrkartenverkäufer laufen immer wieder durch den Zug und informieren über besondere Momente und Orte sowie über schöne Fotografiermöglichkeiten.

Der volle Barwagen während der Fahrt

12:30 Uhr

Am Mittag begleitet ein Teil der Helfer die Gäste ins Restaurant und isst mit ihnen gemeinsam zu Mittag. Der Rest der Helfer bleibt im abgestellten Zug und lässt diesen nicht aus dem Auge, sodass sich niemand Fremdes am persönlichen Gepäck der Fahrgäste zu schaffen macht.

Ein Helfer, welcher für die Sicherheit auf dem Zug verantwortlich ist

15:00 Uhr

Die Rückfahrt hat begonnen. Alle Posten werden durch die Helfer gleich besetzt wie am Morgen.

Reisende im Gespräch mit dem Zugbegleiter der RhB

17:30 Uhr

Nachdem der Zug in Chur losgefahren ist, beginnen alle mit den Aufräumarbeiten. Die Bar wird aufgeräumt, der Souvenirstand zurückgebaut und sämtliches Material vom Filisurerstübli wird ins Rhätiastübli verfrachtet.

18:30 Uhr

Der Zug kommt auf Gleis acht an. Sämtliche Passagiere verlassen den Zug und werden von der Reiseleitung verabschiedet. Im Anschluss wird der Zug umgestellt auf Gleis fünf, wo die Helfer wenige Minuten Zeit haben sämtliches Material auszuladen und ins Vereinsdepot zu bringen.

18:45 Uhr

Zwei bis drei Personen bringen die Getränke zurück ins Getränke Depot, zählen was verkauft wurde und sortieren das übrig gebliebene.
Weitere zwei bis drei Helfer machen in der Küche den Abwasch: Sektgläser, Tortenplatten, Kuchenteller, Messer und Kühlboxen. Alles muss einwandfrei abgewaschen und gereinigt werden.
Der Souvenirverantwortliche sortiert die zurückgebrachten Souvenirartikel wieder ins Regal ein.

19:30 Uhr

Der Reiseleiter verabschiedet das Team. Einige haben nun noch eine zweistündige Heimreise vor sich.

Stunden nach der Fahrt

Ein Helfer schreibt den Reisebericht und schickt ihn an den Webmaster vom Verein. Ein zweiter Helfer bearbeitet die Fotos und schickt sie ebenfalls dem Webmaster, welcher schlussendlich die Homepage vom Verein aktualisiert. Somit können die Reisenden oder zukünftige Gäste, die Fotos von der Reise und einen kurzen Beschrieb dazu lesen.

Tage nach der Fahrt

Die Dampffahrt wird ausgewertet, das Geld wird gezählt und die verkaufte Ware wird aufgeschrieben. Der Erlös einer solchen Reise für den Verein Dampffreunde der RhB besteht ausschliesslich aus den Einnahmen der Souvenirartikel und des Caterings und oftmals auch aus grosszügigen Spenden und Trinkgeldern der Reisegästen, welchen an dieser Stelle ein grosses Dankeschön gebührt!

Was die Helfer für solch eine Dampffahrt mitbringen, das grosse Engagement, die Freude, die Freundlichkeit, die Zeit und die gute Laune bis am Schluss ist alles andere als selbstverständlich. Und der Lohn für diese teilweise 13 ½ -stündige Arbeit ist Dankbarkeit und viele zufriedene Gesichter.

Der Verein Dampffreunde der RhB dankt allen unermüdlichen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz und die aufgebrachte Zeit. Denn ohne euch ist eine solche Dampffahrt nicht durchführbar.

Text und Bilder: Lucas Wildi